BIOGRAPHIE

EVA HESSE

1936
Eva Hesse wird am 11. Januar als zweites Kind des Anwalts Wilhelm Hesse und seiner Frau Ruth Marcus Hesse in Hamburg geboren. Die Familie lebt zunächst in der Isestraße 98. Ihr Vater kann seit 1933 seinen Beruf nicht mehr ausüben und engagiert sich in der Gemeinde der Synagoge am Bornplatz.

1938
Im Sommer zieht die Familie in die Rothenbaumchaussee 181, entschließt sich aber nach der Reichspogromnacht vom 9. November zu emigrieren: Am 7. Dezember reisen Eva und ihre ältere Schwester Helen von Altona mit einem Kindertransport nach Den Haag, wo sie in einem katholischen Kinderheim in Rijswijk untergebracht werden.

1939
Im Februar können die Eltern aus Deutschland fliehen. Zusammen mit ihren Kindern emigrieren sie am 16. Juni über die Niederlande und London nach New York.

1945
Im Frühjahr lassen sich Eva Hesses Eltern scheiden. Ihr Vater heiratet in zweiter Ehe Eva Nathanson und erhält das Sorgerecht für beide Töchter.

1946
Kurz vor Eva Hesses zehntem Geburtstag nimmt sich ihre Mutter das Leben.

1949
Eva Hesse absolviert die Humboldt Junior High School in New York und beschließt Künstlerin zu werden.

1952-1954
Hesse besucht zunächst die New Yorker High School of Industrial Arts und erlangt einen Abschluss als Schaufensterdekorateurin. Anschließend belegt sie Kurse in Werbegraphik am Pratt Institute of Design. Im Herbst 1953 beginnt sie an der Art Students League Zeichenunterricht zu nehmen, im September 1954 schreibt sie sich an der Cooper Union in New York ein.
Die Zeitschrift Seventeen veröffentlicht einen Artikel über die junge Künstlerin.

1957-1959
Hesse schließt im Juni ihr Studium in Design ab. Im September wechselt sie zur Yale School of Art and Architecture und wird Meisterschülerin von Josef Albers. Nach dem Abschluss mit dem Bachelor of Fine Arts zieht sie nach New York.

1960
Hesse arbeitet halbtags als Textildesignerin in der Boris Kroll Company, in der sie Muster für Stoffe entwirft. Im Sommer lernt sie Sol LeWitt kennen. Es entstehen figurative und zunehmend abstrakte Gemälde.

1961
In der Ausstellung Drawings. Three Young Americans in der John Heller Gallery werden erstmals Zeichnungen von Hesse gezeigt. Im April lernt sie den Bildhauer Tom Doyle kennen, den sie am 21. November heiratet.

1962
Es entstehen wenige großformatige Gemälde und überwiegend Zeichnungen. Hesse und Doyle verbringen den Sommer in Woodstock, New York.

1963
Im März wird in der New Yorker Allan Stone Gallery ihre erste Einzelausstellung Eva Hesse. Recent Drawings eröffnet. Im Dezember ziehen Hesse und Doyle in die Bowery Street 134. In der Nachbarschaft leben Lucy Lippard, Robert Ryman, Frank Lincoln Viner, Sylvia Plimack-Mangold und Robert Mangold.

1964
Im Juni reisen Hesse und Doyle auf Einladung des Industriellen Friedrich Arnhard Scheidt nach Kettwig an der Ruhr bei Düsseldorf. Ihr Atelier richten sie in der aufgegebenen Textilfabrik des Sammlerehepaars Scheidt ein. Sie unternehmen Reisen durch Europa, besuchen Ausstellungen, unter anderem die documenta 3 in Kassel. Ende des Jahres beginnt Eva Hesse mit dreidimensionalen Objekten und den Maschinenzeichnungen.

1965
Im März entsteht Hesses erstes Relief Ringaround Arosie. Im Mai reist das Ehepaar Doyle nach Hameln, um Freunde von Eva Hesses Großeltern zu treffen. Am 21. Mai fahren sie nach Hamburg. In der Isestraße 98 bleibt ihnen der Zutritt zur ehemaligen Wohnung der Familie jedoch verwehrt.
Im August zeigt die Kunsthalle Düsseldorf die Ausstellung Eva Hesse. Materialbilder und Zeichnungen. Nach 15 Monaten in Europa kehren Tom Doyle und Eva Hesse nach New York zurück, wo ihre ersten freistehenden Skulpturen entstehen.

1966
Im Januar trennen sich Eva Hesse und Tom Doyle. Am 16. August stirbt ihr Vater, Wilhelm Hesse.
Im September zeigt die Fischbach Gallery in New York die Ausstellung Eccentric Abstraction, kuratiert von Lucy Lippard, mit Werken von Hesse.

1967
Eva Hesse beginnt an der Accession-Serie zu arbeiten, und es entstehen ihre ersten sogenannten Test Pieces aus Latex. Im November nimmt Hesse an der Ausstellung Art in Series im Finch College Museum of Art, New York, teil.

1968
Hesse experimentiert mit Glasfaser und Polyester. Ab September wird Hesse Dozentin an der School of Visual Arts. Ihre erste Arbeit aus Glasfaser, Repetition Nineteen III (1967), wird mit Werken von Donald Judd, Roy Lichtenstein, Robert Morris, Louise Nevelson und Claes Oldenburg in der Ausstellung Made of Plastic im Flint Institute of Arts gezeigt.
Im November eröffnet die Fischbach Gallery die Ausstellung Eva Hesse. Chain Polymers, die für Hesse den entscheidenden Durchbruch als Künstlerin bedeutet.

1969
Im Januar vollendet Eva Hesse Werke für die von Harald Szeemann kuratierte Ausstellung Live in Your Head. When Attitudes Become Form in der Kunsthalle Bern.
Im März diagnostizieren die Ärzte bei Eva Hesse einen Hirntumor, im April wird sie zum ersten Mal operiert.

1970
Eva Hesse wird zum dritten Mal operiert.
Die Fischbach Gallery zeigt eine weitere Einzelausstellung mit Zeichnungen. Im Mai erscheint in der Zeitschrift Artforum ein ausführliches Interview mit Cindy Nemser – Hesses Werk Contingent ziert das Cover der Ausgabe.
Am 29. Mai stirbt Eva Hesse im Alter von nur 34 Jahren.