Alice

22. Juni bis 30. September 2012
Galerie der Gegenwart, 1. und 2. Etage

Ein Rundgang

 

  • Pipilotti Rist (*1962) Das Zimmer, 1994
    Pipilotti Rist (*1962), Das Zimmer, 1994
  • Monika Sosnowska , Ohne Titel, 2004
    Monika Sosnowska , Ohne Titel, 2004

 

Metamorphosen des Raums

Räume, Türen, Zimmer, offen, geschlossen, eng oder weit: Alice trifft auf ihrer Reise durch das Wunderland nicht nur kuriose Gestalten, auch passiert sie zahlreiche Orte von ungewöhnlicher Atmosphäre. In Werken von weltberühmten Künstlern wie Monika Sosnowska, Pipilotti Rist, Luc Tuymanns, Mel Bochner oder Gary Hill finden sich Reflexionen von Raumerfahrungen, die an die veränderten räumlichen Realitäten des Wunderlandes erinnern und den Besucher selbst einen Parcours durch ein Wunderland erleben lassen.Metamorphosen des Raums

Metamorphosen der Dinge

„Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam?". Die berühmte, unbeantwortete Rätselfrage des verrückten Hutmachers aus dem Wunderland ist schon zu Lewis Carrolls Lebzeiten Gegenstand vieler Spekulationen gewesen. Tatsächlich scheinen ein Rabe und ein Schreibtisch in der Realität so wenig gemeinsam zu haben, dass eine Lösung auf einer anderen, z.B. der sprachlichen, Ebene gesucht werden muss. Vielleicht zielt Carrroll aber in seiner Denksportaufgabe auch darauf ab, dass in einem laufenden Spiel laufend neue „Spielregeln" erfunden werden können – so wie es Kindern ohne Probleme gelingt. Es geht ihm dabei um die geistige Offenheit, Dinge in neuer Beziehung zueinander denken zu können, eine Forderung, die später auch die Surrealisten immer wieder stellen sollten. In diesem Kontext steht Carrolls Nonsensrätsel mit seinem scheinbar sinnlosen und unaufgelösten Vergleich von unzusammenhängenden Gedanken, Worten, Dingen und Lebewesen – und stellt damit eine Strategie vor, die bis heute anregend auf Künstler wirkt.

Metamorphosen des Körpers und des Selbst

In der Alice-Erzählung wird das Kind immer wieder gefragt, wie es heiße und wer es sei. Die Antworten fallen Alice schwer, da die körperlichen Veränderungen, die sie an sich beobachten muss, auch ihre innere Orientierung fundamental verunsichern. Das Ausmaß und die Dynamik der grotesken und ziehharmonikagleichen Größenveränderungen könnten rein mechanisch und allseits belustigend wirken. Die eigentliche Herausforderung für Carrolls Kunstfigur aber ist die Erfahrung und damit das Bewusstsein von der stets vorhandenen Möglichkeit dieser körperlichen Metamorphosen. Alice entfremdet sich somit beim Wachsen und Schrumpfen nicht nur physisch und psychisch von sich selbst, die unterschwellig stets drohende Gefahr der überraschenden Körperveränderung geht darüber hinaus auch mit einer dauerhaften Instabilität des Bewusstseins mit der eigenen Identität einher.