Louise Bourgeois. Passage dangereux

10. Februar bis 17. Juni 2012

Louise Bourgeois gilt als Jahrhundert-Künstlerin. Anlässlich ihres 100. Geburtstags zeigt die Hamburger Kunsthalle Skulpturen, Rauminstallationen, Radierungen, Arbeiten aus Stoff und Tapisserien der letzten 15 Lebensjahre der Künstlerin (1911-2010), die als eine der bedeutendsten und einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit gilt. Einige der ausgestellten Werke sind zum ersten Mal überhaupt öffentlich zu sehen.

Auf dem Außenplateau der Kunsthalle thront eine über 9 Meter hohe, überdimensionale Spinne aus Bronze, Stahl und Marmor: Maman (1999). Gleichermaßen beeindruckend wie furchterregend ist diese monumentale Skulptur ein zentrales Werk von Louise Bourgeois. Der Titel Maman (Mutter) macht deutlich, dass Bourgeois diese Skulptur als Hommage an ihre eigene Mutter verstanden hat, die als Restauratorin von Tapisserien tätig war. Das unermüdliche Wiederherstellen und Restaurieren von Gewebe, das auch Spinnen eigen ist, wird zugleich zu einem Symbol für das unendliche, sich wiederholende und erneuernde Leben im Allgemeinen.
Vor allem das besondere Gespür der Künstlerin im Umgang mit Materialien wird in der Ausstellung deutlich. Zu sehen sind unter anderem die so genannten Cells, also käfigartige, mit Objekten und kleinen Skulpturen gefüllte Räume, wie etwa die Passage dangereux (1997) – die größte und spektakulärste Arbeit dieser Werkserie. Die vierzehnteilige Radierungsserie À l'infini (2008) aus dem Besitz des Museum of Modern Art in New York wird erstmals in Deutschland vorgestellt. Die großformatigen, von Hand überarbeiteten Blätter zeigen Linien, die sich begegnen und verknoten. Sie bilden Ausformungen wie Blasen, Zellen oder ineinander verschlungene, menschliche Körper und erinnern – blutrot gemalt – an Blutbahnen. Zugleich kann das Werk À l'infini („Bis ins Unendliche") als Bild für die Zeit, für den Lebensweg des Menschen gelesen werden. In den Arbeiten aus Stoff der letzten, bemerkenswert produktiven Schaffensphase der Künstlerin verselbständigt sich der Faden zu einem Muster, zu einer abstrakten Formation von großer Schönheit.
98 Jahre alt geworden, vereinigte Louise Bourgeois in ihrer Person und in ihrem Lebensweg mehrere Epochen. In Paris geboren erlebte sie als junge Frau die Pariser Moderne, studierte u. a. bei Fernand Léger und bewegte sich im Kreis der Surrealisten. 1938 übersiedelte sie mit dem amerikanischen Kunsthistoriker Robert Goldwater, ihrem Ehemann, nach New York. Dort kam sie mit den aus Frankreich emigrierten Künstlern um Marcel Duchamp in Kontakt und war mit Vertretern des Abstrakten Expressionismus befreundet. Bourgeois nahm die in den USA dominanten Strömungen der Minimal- und der Pop Art wahr, schloss sich jedoch nie einer der bestehenden Gruppen an. Vielmehr entwickelte Louise Bourgeois eine seltene stilistische Komplexität, die vieles von dem vorwegnahm, was Anliegen einer jüngeren Künstlergeneration werden sollte.

Kuratorin der Ausstellung: Dr. Brigitte Kölle
Kuratorische Assistenz: Luisa Pauline Fink

 

  • Mit freundlicher Unterstützung durch

    Freunde der Kunsthalle e.V.

    Rudolf Augstein Stiftung

  • Medienpartner

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