Galerie Alte Meister

Mesiter Bertram
Meister Bertram, Altaraufsatz und Retabel des ehemaligen Hochaltars der Petrikirche in Hamburg,1379/83

 

Die Sammlung der Alten Meister umfasst vier Sammlungsbereiche. Die Norddeutsche Kunst um 1400 bildet dabei einen der Schwerpunkte. Die Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts verdankt die Kunsthalle im Ursprung einer Schenkung von 1879, wobei auch beachtliche Zukäufe gemacht werden konnten. Werke der italienischen Malerei von 1350 bis 1800 stammen im Wesentlichen aus der Sammlung Wedells. Einige wenige Gemälde der französischen Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erworben wurden, bilden inhomogene Werkkomplexe.

Ständig zu sehen sind Arbeiten etwa von Meister Bertram, Meister Francke, Hans Holbein d. Ä., Jan Massys, dem Meister der weiblichen Halbfiguren, Niederländischen Kircheninterieurmalern wie Saenredam, Houckgeest oder de Witte, Rembrandt, Ruisdael, Rubens sowie die Werke der Hamburger Maler Georg Hinz oder Balthasar Denner.
Der Rundgang durch die Räume 101-116 beginnt in dem Bereich rechts neben der Kuppel. Hier wird der Petri-Altar von Meister Bertram präsentiert.

Die Präsentation knüpft an die Tradition des säkularisierten Galeriebiildes an. Durch die gezielte Beleuchtung, die den Raum erkennbar aus der Flucht der übrigen Museumssäle löst, wird jedoch der Eindruck der gemalten Oberfläche, die eine gleichförmige Beleuchtung kaum verträgt, als auch der Skulpturen-Seite, die von einem Wechselspiel eines die Figuren leicht dramatisierenden Lichts lebt, optimiert.
Der folgende, kleinere Raum der den Buxtehuder-Altar von Meister Bertram zeigt, wirkt dagegen wie ein intimer Ort der Ruhe, und wenn im besten Nachmittagslicht die punzierte Goldfläche zum Leuchten gebracht wird, wird er ein Ort der Kontemplation.

Im ersten der großen Säle (101) wurde jetzt auch durch die sehr lockere Hängung auf das Faktum aufmerksam gemacht, dass die Tafeln von Hans Holbein d. Ä., Hans Leonhard Schäufelein, Hans Burgkmair letztlich Fragmente eines jeweils größeren Werkzusammenhangs sind. So blieben von den ehemals großen Altären, die sich ursprünglich aus vielen Tafeln zusammensetzten, nur wenige erhalten, deren Abfolge heute rekonstruiert vor Augen gestellt wird. Am Thomas-Altar von Meister Francke wird durch die Lücken in der Präsentation auch auf die fehlenden Teile der fortlaufenden Bild-Erzählung aufmerksam gemacht.

Es schließt sich ein Saal an, der die Werke des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts zeigt. Hier wird der Gegensatz von Figurendarstellungen in bürgerlicher oder fürstlicher Auftraggeberschaft und den mit religiösen Motiven durchsetzten frühen Landschaftsgemälden thematisiert.

Insgesamt ist die Raumfolge – neben dem Ordnungsprinzip der Chronologie – auch von einem Wechsel der Stimmungen bestimmt. Auf einen Raum, der sich durch große Harmonie der Werke in Stil, Thematik oder auch Kompositionsschemata auszeichnet, folgt einer, der durch Kontraste bestimmt wird. Unterschiedliche Kunstlandschaften und Darstellungsinteressen werden an gegenüberliegenden Wänden demonstriert. Die aus den Kontrasten entstehende Unruhe wechselt mit in sich beruhigten Räumen, was zu einer gewissen Rhythmisierung der großen Säle der alten Meister führt.

In den Sälen des Alten Hauses entsteht ein regelmäßiger Wandel der Präsentation nicht nur dadurch, dass Werke aus der Sammlung immer wieder zeitweise in nationale und internationale Ausstellungsprojekte integriert und für die Dauer der Ausleihe ersetzt werden müssen, sondern er ergibt sich auch durch die Vermittlung der Ergebnisse jener Arbeit, die hinter den Kulissen stattfindet. Neue Erkenntnisse zu den Malern, zu ihrer Malweise und angemessenen Rahmung der Werke bewirken ebenfalls Veränderungen in der Sammlung. Restauriert oder neu gerahmt – wie inzwischen rund 50 Gemälde – erscheinen die Gemälde dem Betrachter nach ihrer neuen Integration in die Sammlung in einer veränderten Sichtweise.

Martina Sitt