Caspar David Friedrich in der Hamburger Kunsthalle, 7. Oktober bis 28. Januar

Caspar David Friedrich – Die Erfindung der Romantik

Hamburger Kunsthalle 7. Oktober 2006 bis 28. Januar 2007

Romantik

Die Romantik ist heute wieder in aller Munde, in der Kunst und der Literatur ebenso wie in der Werbung und der Unterhaltungsbranche. Dies scheint nur konsequent, geht doch die fortschreitende Individualisierung ebenso auf die Romantik zurück wie die umfassende Ästhetisierung unserer Lebenswelt. Umso dringlicher erscheint es heute, an die Anfänge der Romantik und die ursprünglichen Ideen der Frühromantiker zu erinnern. In einer entzauberten Wirklichkeit halten sie an den Fragen nach Einheit, Ganzheit und Sinn des Lebens fest und entwerfen eine Gegenwelt zur Uniformität und Normalität des heraufziehenden bürgerlichen Alltags, die bis heute ihre Anziehungskraft nicht verloren hat.

Wiederentdeckung C. D. Friedrichs im 20. Jahrhundert

Noch zu Lebzeiten in Vergessenheit geraten, wurde Caspar David Friedrich zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und gilt heute als wichtigster Maler der deutschen Romantik. Auch im europäischen Ausland, in Russland und in Amerika fand sein Werk in den letzten Jahrzehnten zunehmende Beachtung. Friedrich ist nunmehr auch international als einer der zentralen Künstler des 19. Jahrhunderts anerkannt. Dies zeigen unter anderem die große Caspar David Friedrich-Ausstellung 1972 in der Tate Gallery in London, die kleineren 1991 und 2002 im Metropolitan Museum in New York oder die Ausstellung 1992 im Prado in Madrid. Die Ausstellung Caspar David Friedrich. Die Erfindung der Romantik, die noch bis zum 3.September 2006 im Museum Folkwang, in Essen und vom 7. Oktober 2006 bis 28. Januar 2007 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen sein wird, ist die erste große Retrospektive nach der großen Ausstellung zu Friedrichs 200. Geburtstag 1974 von Werner Hofmann in Hamburg und Dresden.

Friedrich-Forschung

Spätestens seit diesen beiden Jubiläumsausstellungen hat die Friedrich-Forschung einen enormen Aufschwung erfahren, wobei es durchaus zu kontroversen Interpretationen seiner Werke kam. Besonders zwei Linien haben sich herausgebildet: die religiöse und die politische Deutung der Friedrichschen Bildmotive. Gegenüber diesen zuweil einseitig symbolischen Interpretationsansätzen versucht die Ausstellung vor allem die künstlerische Bedeutung des Werkes hervorzuheben, das heißt die Frage nach der „Erfindung der Romantik“. Hiermit ist zunächst der Aspekt der Bilderfindung in Friedrichs künstlerischem Schaffen gemeint – im Sinne der Fiktivität seiner Naturansichten, die Detailrealismus und abstrakte Konstruktion in sich vereinen. Darüber hinaus verweist der Titel auf den epochalen Umbruch, den die Romantik in der Kunst ebenso wie im Denken und Fühlen des bürgerlichen Zeitalters vollzogen hat. Entgegen der im 20. Jahrhundert gängigen Assoziation des Romantischen mit dem Gefühlvollen, Ungenauen will die Ausstellung den Blick für die Präzision und Konstruktivität in Friedrichs Werken und für die bewusste Kalkulation ihrer Wirkung schärfen. In diesem Sinne wird eine kleine Gruppe von Arbeiten zeitgenössischer Künstler Friedrichs Aktualität in einer Art Epilog beleuchten.

Exponate

Die Ausstellung ist thematisch gegliedert. 7 Kapitel führen das Schaffen Friedrichs in seiner ganzen Vielfalt vor Augen: die klassischen Bildmotive der romantischen Malerei finden ebenso Beachtung wie die spezifische Bildregie des Künstlers zur Erfindung romantischer Stimmungen und Empfindungen.

Sensationell ist die große Anzahl von Meisterwerken — über 70 Ölgemälde aus mehr als 50 Museen und Privatsammlungen. Von den insgesamt 250 Aquarellen, Sepien und Zeichnungen ist jeweils die Hälfte in Essen und in Hamburg zu sehen. Ein erneuter Besuch der Hamburger Ausstellung lohnt sich deshalb allemal.

Das Zustandekommen der Ausstellung und die außerordentliche Qualität ihrer Exponate verdanken sich glücklichen Umständen, die die vier bedeutendsten Friedrich-Sammlungen, nämlich in Berlin, Dresden, St. Petersburg und Hamburg, als zweite Ausstellungsstation, bewogen haben, ihre Hauptwerke der Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Zum ersten Mal verlässt das wohl bekannteste Friedrich Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ das Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten, Winterthur. Die Möglichkeit, es außerhalb von Winterthur zu sehen, wird es in absehbarer Zeit kein zweites Mal geben. Dank der Großzügigkeit der fünf Häuser hat die Schau die Chance, zu einer der bedeutendsten zu werden, die dem Künstler je gewidmet wurde.


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Mondaufgang am Meer, 1822
Mondaufgang am Meer, 1822
Alte Nationalgalerie, Berlin
© Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Photo: Jörg P. Anders, Berlin

Wanderer über dem Nebelmeer
Wanderer über dem Nebelmeer, um 1818
(c) Hamburger Kunsthalle / bpk; Photo: Elke Walford

Morgennebel im Gebirge, 1808
Morgennebel im Gebirge, 1808
Museum Schloß Heidecksburg, Rudolstadt
© Museum Schloß Heidecksburg, Rudolstadt


Auf dem Segler, 1818
© Staatliche Eremitage,
St. Petersburg

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