Seite drucken      zurück   home

Die Bildnisradierungen des
Anders Zorn
(1860-1920)
Saal der Meisterzeichnung
15. März - 30. Juni 2002


 

HAMBURGER
KUNSTHALLE

Andreas Stolzenburg

DIE BILDNISRADIERUNGEN DES ANDERS ZORN (1860-1920)

Rede zur Eröffnung der Ausstellung im Saal der Meisterzeichnung in der
Hamburger Kunsthalle am 14. März 2002


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde des Kupferstichkabinetts!

Mit folgenden Worten äußerte sich der 1860 geborene schwedische Künstler Anders Zorn rückblickend über die Entstehung seiner Druckgraphik:

"Was die Radierung betrifft, nutzte ich die freien Stunden, vor allem die Abende, um Radierungen zu machen, teils Reproduktionen nach Gemälden, teils direkt nach der Natur. Ich maß dieser Tätigkeit keinen besonderen Wert bei; die Überraschungen in diesem Glücksspiel, wie Striche, die ich mit einer Stahlnadel in eine geschwärzte Kupferplatte ritzte, hellrot auf dem dunklen Grund erschienen, um dann im Druck schwarz auf weißem Grund seitenverkehrt zu erscheinen, amüsierten mich aber; es ist ja wie Blinde Kuh spielen, und dieses Spiel macht mir immer noch Spaß"

Aus dieser eher spielerischen Tätigkeit wurde jedoch ein durchaus ernsthaftes und bewußtes, künstlerisches Schaffen, denn immerhin entstanden auf diese Weise in den Jahren 1888 bis 1919 288 Radierungen.

Und schon sehr früh erregte Zorn mit seiner Graphik internationales Aufsehen. So konnte er bereits 1891 verschiedene Blätter auf der Ausstellung des Verbandes der französischen Graphiker zeigen, darunter seine wohl populärste Arbeit, das Bildnis der spanischen Tänzerin "Rosita Mauri" aus dem Jahre 1889. Eine direkte Folge jener Ausstellung war die Veröffentlichung dieses Bildnisses als Originalradierung in der Gazette des Beaux-Arts noch im selben Jahr. Ein Exemplar dieser Zeitschrift werden Sie in einer der Vitrinen sehen können.

Die Erfolge häuften sich. Schon 1905 veröffentlichte Fortunat von Schubert-Soldern in Dresden sein Buch mit dem Titel "Das radierte Werk des Anders Zorn", das ebenfalls mit einer originalen Arbeit des Künstlers ausgestattet war. Der berühmte französische Graphik-Kenner Loys Delteil widmete 1909 den vierten Teil seines Werkes "Le peintre graveur illustré" den Radierungen Zorns. Mit der 1910 bei Velhagen und Klasing erschienenen Künstlermonographie von Franz Servaes wurde der Maler und Radierer Anders Zorn gleichsam in den Olymp der Kunst aufgenommen.

Der Kunstmarkt boomte. Zorn vertrieb seine Radierungen weltweit, in Europa und Amerika, über Graphikhändler wie Keppel und Hahlo in New York, Artaria in Wien oder die Galerie Commeter in Hamburg. Man stelle sich vor, bei einer umfangreichen Präsentation von 163 Radierungen Zorns, die hier im April 1911 stattfand, konnte bereits am Eröffnungsabend über die Hälfte der Blätter verkauft werden. Bei einer Auktion in New York in Zorns Todesjahr 1920 erzielte ein Blatt des Schweden sogar einen wesentlich höheren Preis als eine hervorragende Radierung Rembrandts.

Gerade in Amerika verbreitete sich der fabelhafte Ruf Anders Zorns sehr schnell. Der Künstler hatte die Vereinigten Staaten vielfach besucht und war jedesmal mit hohen Ehren und neuen Aufträgen überhäuft worden. Es entstanden umfangreiche Sammlungen seiner druckgraphischen Werke wie z.B. die Zorn-Sammlung der Isabella Stuart-Gardner in Boston oder die des Bankiers Charles Deering in Evanston/Illinois, welche heute zum Bestand des Art Institute in Chicago gehört.

In Hamburg ist es einmal mehr Alfred Lichtwark, dem wir eine bedeutende Graphik-Sammlung von Anders Zorn verdanken. Bereits Ende 1890 hatte er den gerade erst entdeckten, schwedischen Künstler nach Hamburg eingeladen, um ihn einen Beitrag zur "Galerie Hamburger Bilder" malen zu lassen. Von Anfang an hatte Lichtwark diese ja international angelegt und hierfür nicht nur deutsche, sondern auch ausländische Künstler beauftragt. Ich erinnere an unsere letzte Ausstellung im Saal der Meisterzeichnung, wo wir mit den Hamburger Bildern Edouard Vuillards Lichtwarks letzte, internationale Erwerbungen für diese Galerie aus dem Jahre 1913 sehen konnten.

Im Unterschied zu den Franzosen Vuillard und Bonnard berichtete der Schwede Zorn über diesen Auftrag jedoch wenig Schmeichelhaftes für Lichtwark und die Stadt Hamburg:

"Ich stellte das beste [Aquarell] zur Verfügung, mußte aber auf mein Honorar warten, bis ich darum bat, das Bild endlich zurückgeschickt zu bekommen. Ich habe nie mit Deutschen zu tun gehabt, ohne daß solche Schikanen vorgekommen sind. Es war furchtbar eisig kalt dort draußen auf der Kaiserhöft, aber es war interessant, diese Schlammsoße von einem Gewässer zu malen, große und kleine Dampfer, Ruß und Nebel."

Dieses Aquarell Zorns vom Hamburger Hafen wurde 1923 von Lichtwarks Nachfolger Gustav Pauli, der die Graphik des Norwegers Edvard Munch favorisierte, wieder verkauft. Wir haben für einen solchen Vorgang heute zwar eher wenig Verständnis, doch er zeigt uns exemplarisch wie der zu Lebzeiten hochgeschätzte Künstler Zorn nach seinem Tod im Jahre 1920 zunehmend an Bedeutung verlor.
Um 1900 gehörte es in Frankreich und Deutschland gewissermaßen zum guten Ton und einer guten Allgemeinbildung, den schwedischen Künstler Anders Zorn und sein malerisches, wie auch sein druckgraphisches Werk zu kennen. Seine lichtvollen Aquarelle, Gemälde und Radierungen schmückten zwischen 1890 und 1910 alle großen Kunstausstellungen Europas.

Der mit Zorn befreundete, deutsche Maler Walter Leistikow beschrieb den Künstler 1904 in der "Zeitschrift für Bildende Kunst" gar als den "größten Meister der Radierung aller Zeiten" und dessen Werk als "Kunst großen Stils" - "Gewaltig nicht nur der Zahl nach, sondern weit mehr noch durch den inneren Wert, durch die Wucht und die große selbständige Art diese Kunst zu betreiben."

Der schwedische Kunsthändler Karl Asplund äußerte sich im Vorwort zu seinem noch im Todesjahr Zorns 1920 erschienenen Werkverzeichnis der Druckgraphik jedoch durchaus kritisch und machte auf die starken Qualitätsschwankungen der Radierungen aufmerksam. Er unterschied zwischen Meisterwerken und eher unbedeutenden Blättern, wobei er aber nur wenige seiner Favoriten explizit nennt. Zu seinen Vorlieben, die auch in der Ausstellung zu sehen sind, zählen die Blätter "Rosita Mauri", "Zorn und seine Frau", "Der Walzer", "Ernest Renan" und der "Toast".

Dieser zugleich schwedisch und englisch erschienene Œuvrekatalog von Asplund blieb nicht ohne Einfluß auf die spätere Beurteilung des Künstlers, und man möchte meinen, daß sich gerade die Kategorisierung in mehr oder weniger bedeutende Blätter auch in den Preisen des Kunstmarktes widerspiegelte. Doch der Wert der Radierungen koppelte sich von der künstlerischen Qualität langsam ab. Da beinahe alle Blätter Zorns in überraschend kleinen Auflagen erschienen waren, machte dies die meisten der Blätter zu kostbaren und gesuchten Rara. Besonders in den Jahren der Weltwirtschaftkrise galten Radierungen des Künstlers als sichere Wertanlage und wurden z.T. wie Wertpapiere an den Börsen gehandelt.

Außer in Schweden, wo er wenn auch z.T. kritisch gesehen, aber dennoch stets verehrt wurde, geriet Anders Zorn lange Zeit in Vergessenheit. Erst in den letzten zwanzig Jahren begann man ihn nach und nach wiederzuentdecken. Die Zahl der Ausstellungen, in denen die Arbeiten Zorns der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, blieb jedoch gering. 1976 widmeten sich Hans H. Hofstätter und Eric Forssmann in den Städtischen Museen in Freiburg dem graphischen Werk von Anders Zorn und 1990 stellte Jens Christian Jensen in der Kieler Kunsthalle sowie der Hypo-Kulturstiftung in München eine Retrospektive des Künstlers zusammen. Zuletzt bot das Berliner Kupferstichkabinett vor zwei Jahren mit Blättern aus eigenem Besitz wiederum einen intensiven Blick auf die Graphik des Künstlers. Die Radierungen Zorns wurden hier sogar in den Mittelpunkt einer umfassenden Ausstellung zur europäischen Graphik um 1900 gestellt.

Ich möchte nicht verschweigen, daß die jetzige Hamburger Präsentation dem von Sigrid Achenbach erarbeiteten Berliner Ausstellungskatalog manch wichtige Information verdankt. Gleichwohl wurde auch deutlich, daß der Hamburger Bestand der Berliner Auswahl absolut ebenbürtig ist. Ein Grund mehr, auch in Hamburg, im Saal der Meisterzeichnung einmal eine Zorn-Ausstellung zu zeigen.
Mein Dank gilt an dieser Stelle auch der schwedischen Kunsthistorikerin Cecilia Lengefeld, der z.Zt. besten Kennerin des Zorn'schen Werkes, die mir bei vielen Fragen im Vorfeld zur Seite stand. Ihre fundamentale Veröffentlichung über Zorn ist bisher leider nur in schwedischer Sprache erschienen, eine deutsche Übersetzung wäre unbedingt wünschenswert.

Die künstlerische Qualität von Zorns druckgraphischem Werk findet heute die ihm gebührende Wertschätzung, und man braucht für seine kunsthistorische Anerkennung nicht mehr missionarisch tätig zu werden. Er war auf dem Gebiet der Druckgraphik sicher kein künstlerischer Neuerer wie der tiefgründige Norweger Edvard Munch. Aber er war ein bedeutender, dem Impressionismus nachfolgender Künstler im Vorfeld der Moderne. Und gerade den heutigen Betrachter sprechen seine mit lockerem Strich angefertigten, psychologisch einfühlsamen Bildnis-Radierungen wieder verstärkt an.

Die Arbeitsweise des Künstlers auf der geschwärzten Kupferplatte zeichnet sich besonders durch ihre Leichtigkeit aus. Sie entspricht in schönster Weise den Empfehlungen der zeitgenössischen Literatur des "etching revival". Hierbei handelt es sich um eine fulminante Wiederauferstehung der Radierkunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die durch große Namen wie den Engländer Seymour Haden und den Franzosen Alphonse Legros geprägt wurde. Auch Whistler, dessen Radierungen Sie erst 1999 in der Kuppelhalle sehen konnten, ist in diesem Zusammenhang zu nennen.

Charles Blanc nannte in seinem 1874 erschienenen Buch "The grammar of painting and engraving" als wichtigste Vorzüge der Radierkunst "Improvisation", "Freiheit" und "Farbe". Wobei Farbe nicht unbedingt wörtlich gemeint war, sondern dem Medium entsprechend eher die differenzierten Tonwerte des Schwarzweiß intendierte.

Zorn entstammt jener Tradition des Peintre-Graveur, jenes vielzitierten Maler-Radierers, und entwickelte aus ihr einen eigenen, sehr spontanen und kraftvollen Stil. Dabei spielte nicht nur für ihn das Radierwerk Rembrandts eine herausragende Rolle. Einige seiner Kompositionen verdanken ihre unmittelbare Anregung Werken Rembrandts, so u.a. Zorns "Bildnis mit seiner Frau", das Auftaktblatt unserer Ausstellung. Der Künstler hatte sogar in großem Umfang die Radierungen des Niederländers selbst gesammelt und sie später dem schwedischen Staat vermacht. Diese Blätter sind bis heute die bedeutendste Sammlung von Rembrandt-Radierungen in Schweden und befinden sich zusammen mit dem künstlerischen Nachlaß Zorns im schwedischen Mora.

Mit seinen schnellen, kräftigen Bewegungen der Radiernadel überschritt Zorn immer wieder die Grenzen der Kupferplatte. Er mochte ihre begrenzte Fläche nicht anerkennen. Gustav Schiefler, der in enger Zusammenarbeit mit Lichtwark von Hamburg aus positiv über Zorns Radierungen geschrieben hat, sprach schon 1896 im "Hamburgischen Correspondenten" vom erklärungsbedürftigen "Lapidarstil" Zorns bzw. seiner "Besentechnik".

Wie frei und unbekümmert er im Umgang mit diesem Medium war, illustriert eine Erinnerung des Schriftstellers und Künstlers Albert Engström an einen seiner Besuche im Atelier des Künstlers 1905 in Mora.

Engström berichtet: "Wir gingen in sein Atelier, und bald hatte er ein paar Platten präpariert. Während wir darauf warteten, daß sie bereit wurden, suchte er nach Radiernadeln, fand aber nur eine, und die bekam natürlich ich als Gast. Wir wollten direkt auf die Platte zeichnen. Schließlich fand er eine alte Feile in einer Schublade, zog den Griff ab und fragte: Bist du bereit ? Dann fangen wir an ! nach einer Weile merkte ich, daß ich, ungeübt wie ich war, mich zu stark in Einzelheiten verloren hatte. Ich bedauerte, eine schöne Platte verdorben zu haben. Aber Zorn antwortete nicht. Er zeichnete nur. Die Platte quietschte unter der Feile. Plötzlich schob er die Platte mir über den Tisch zu: Es ist ganz gut geworden, sagte er. Ich hatte nur zwei Zigaretten rauchen können: es war unglaublich schnell gegangen, war aber eine seiner besten Porträtradierungen geworden, die in allen größeren Arbeiten über Zorn abgebildet ist."

[Nicht in der Ausstellung; Asplund aufgeschlagen]

Nicht alle Kompositionen entstanden direkt auf der Platte. Meist fertigte Zorn zunächst Bleistiftzeichnungen an, die er dann als Grundlage für die Komposition auf der Platte nutzte. Oft machte er sich aber von diesen Vorlagen frei und ließ seinem improvisierenden, gestalterischen Drang mit Hilfe der Radiernadel freien Lauf. Anschließend wurde die Platte lang und gleichmäßig geätzt und fast immer ohne den nachträglichen Einsatz der Kaltnadel gedruckt.

Eines der bevorzugten Motive Zorns war das an der impressionistischen Kunst Frankreichs geschulte Bildnis, das er gerade nicht nur in Aquarell und Öl malte sondern in furioser Weise auch mit der Radiernadel auf der Kupferplatte festhielt. Zorn, der von 1882 bis 1888 in London, bis 1896 in Paris und anschließend wieder in seinem Geburtsort Mora lebte, standen dabei zahlreiche internationale, prominente Persönlichkeiten Modell. Genannt seien Anatole France, Ernest Renan, Antonin Proust, August Strindberg, das schwedische Königshaus sowie viele Künstlerkollegen, u.a. der befreundete Max Liebermann, der schwedische Maler Prinz Eugen und der Bildhauer Paolo Prinz Troubetzkoy.

Um die Meisterschaft seiner Radierkunst exemplarisch zu verdeutlichen, sei nur eines der ausgestellten Blätter kurz charakterisiert, das bereits erwähnte Bildnis der spanischen Tänzerin Rosita Mauri.

Die 1856 geborene und 1923 gestorbene Rosita Mauri war seit 1879 Primaballerina an der Pariser Oper. Ihr Lebensgefährte, der französische Kulturpolitiker Antonin Proust, dessen Porträt Sie ebenfalls sehen werden, hatte bei Zorn zunächst ein Aquarellbildnis in Auftrag gegeben. Dieses sollte nun auch radiert werden, weshalb der Künstler eine Zeichnung nach dem Aquarell anfertigte. Mit unterschiedlich kräftigen, parallelen Strichen ahmte er dabei bereits die Drucktechnik nach. Auf der Platte wurde diese Strichtechnik konsequent weiterentwickelt. Es gibt keine Umrißlinie, keine Kreuzschraffuren - nur parallel geführte Striche, mit deren Hilfe die Formwerte und die Schatten der Figur eins werden. Das Volumen des Körpers, Licht und Schatten werden allein durch die gebündelten Striche ins Bild gebracht. Zorn plante dabei einen Verzögerungseffekt beim Betrachter mit ein. Das scheinbar Skizzenhafte hält so durchaus einige Überraschungen bereit. Das Motiv scheint verhüllt zu sein, es wird erst aus einigem Abstand richtig sichtbar. Diesen Abstand empfahl auch Schiefler 1896 dem Hamburger Publikum, damit es sich nicht über die "scheinbar wüste Kritzelei des Gesichtes" aufregt.
Diese einzigartige und eigenwillige Radiertechnik macht die Arbeit zweifellos zu einem Hauptwerk der impressionistischen Graphik.

Dieses herausragende Beispiel sollte Ihnen den Blick für die künstlerischen Raffinessen der Radierkunst Anders Zorns öffnen und von älteren, meist zeitgebundenen Urteilen befreien.

Mit 50 Blättern, von denen 42 bereits zu Lebzeiten des Künstlers erworben wurden, besitzt das Hamburger Kupferstichkabinett neben Berlin und Dresden den umfangreichsten Bestand an Zorn-Graphik in Deutschland. 31 Radierungen aus unserer Sammlung erwarten Sie heute abend im Saal der Meisterzeichnung.

Mit einem Zitat Alfred Lichtwarks, das auch meine Vorgängerin Hanna Hohl im Vorwort Ihres Whistler-Katalogs anführte und dessen Worte uns Mitarbeiter im Kupferstichkabinett stets als Motto zu innerem Antrieb bei der Arbeit begleitet, möchte ich deshalb schließen. Lichtwark sprach in seiner Antrittsrede als Direktor der Hamburger Kunsthalle:

"Es kann von dem vielbeschäftigten Hamburger Publikum nicht verlangt werden, daß es regelmäßig das Kupferstichkabinett besuche und sich die Mappen zu behaglichem Studium herausgeben läßt. Wir müssen auf alle Weise den Zugang zu unseren Schätzen erleichtern."

- Wechselnde Ausstellungen sind einer der Wege dieses leichteren Zugangs. -

Mit dem zurückliegenden Blick auf die Radierungen Whistlers 1999 und Klingers 2001, mit dem aktuellen Blick auf die Radierungen und Lithographien Munchs im Hegewisch-Kabinett und mit den ab heute zugänglichen Radierungen Zorns kann man wohl von einem Programm sprechen, daß es sich zum Ziel gesetzt hat, die graphischen Meisterleistungen der Zeit um 1900 in der Hamburger Kunsthalle dem Publikum näher zu bringen. Die Schätze des Kupferstichkabinetts halten für eine Fortsetzung dieser Reihe sicher noch so manchen, überraschenden Fundus bereit.

Unser Anspruch, immer wieder Arbeiten auf Papier im Saal der Meisterzeichnung öffentlich zu präsentieren, hat im Idealfall auch positive Auswirkungen auf den Graphikbestand selbst. So war es diesmal nötig, daß die Radierungen Zorns von ihren alten, noch aus der Erwerbungszeit stammenden Unterlagen sachgemäß befreit und neu aufgelegt wurden. Gerlinde Römer und Anja Zuschke sei hier für diese wie immer präzise Arbeit gedankt.

Nebenbei gesagt: auch diese alte Montierung gab den unmißverständlichen Hinweis, daß es durchaus an der Zeit war, Zorn einmal wieder auszustellen!

Wir hoffen nun, daß die Ausstellung der Radierungen Zorns für Sie, wie von Lichwark angemahnt, eine willkommene Erleichterung des Kunstgenusses mit sich bringt und Sie den Reiz der Radiernadel erleben werden.

Dem beeindruckenden Radierwerk Zorns bleibt zu wünschen, daß es seinen adäquaten Platz in der Kunstgeschichte behaupten wird. Jede Ausstellung, ob mit oder ohne Katalog, ist dabei ein wichtigter Baustein im kollektiven Gedächtnis.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


Hamburger Kunsthalle Glockengießerwall 20095 Hamburg
Telefon 040 - 428 131 200 Telefax 040 - 428 54 34 09
e-mail: info@hamburger-kunsthalle.de