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Andy Warhol · Photography
Ausstellung zur Ersten Triennale
der Photographie in Hamburg

13. Mai bis 22. August 1999

Andy Warhol  |  Ethel Scull  |  Holly Solomon   |  Pressestimmen

 

Keine Sorge, alles wird großartig
Ethel Secull berichtet über ihr Portrait


scullMein Mann Bob hatte Andy Warhol gebeten, mich zu portraitieren, was mir natürlich ein wenig Angst machte, weil man bei Andy nie wußte, was dabei herauskommen würde. Er aber sagte: »Keine Sorge, alles wird großartig.« Folglich sah ich mich schon in Richard Avedoiis Atelier.

Er kam also zum verabredeten Termin zu mir und sagte: »Schön, auf geht's.«
Und ich sagte: »Wohin gehen wir denn?«
»Nur runter an die Ecke 42. Straße und Broadway.«
Ich: »Und was wollen wir da?«
Er: »Ich werde Aufnahmen von dir machen.«
Ich: »Wozu?«
Er: »Für das Portrait. «
Ich: »In diesen Dingern? Mein Gott, ich werde entsetzlich aussehen!«
Er sagte: »Keine Sorge« und holte Münzen hervor.
Er hatte an die hundert Dollar in Münzen dabei, und er sagte: »Wir stellen auf hell und auf dunkel ein, ich schubs dich rein, und du gibst acht auf das kleine rote Lämpchen.« Es war eines von den Dingern, mit denen man seine Paßbilder macht, drei Stück für einen Vierteldollar oder so.
Er sagte: »Achte nur auf das rote Licht«, und ich wurde stocksteif, achtete auf das rote Lämpchen und rührte mich nicht. Desalb kam Andy rein, schubste mich und brachte mich dazu, alles Mögliche zu machen, bis ich mich schließlich entspannte. Ich glaube, wo immer wir waren, dachten die Leute, sie hätten zwei Verrückte vor sich. Wir liefen von einem Photoautomaten zum anderen, und er machte diese vielen Aufnahmen, die dann überall zum Trocknen herumhingen.

Als wir fertig waren, sagte er: »Na, möchtest du sie sehen?« Und die Aufnahmen waren so sensationell, daß er keinen Richard Avedon brauchte. Ich war so zufrieden, daß ich von jetzt an alle meine Bilder dort machen werde.
Als er das Portrait ablieferte, kam es in einzelnen Tafeln, und Bob sagte zu ihm: »Wie wär's ... willst du es nicht auch zusammensetzend, denn da waren all diese schönen Farben.
Er sagte: »Ach nein. Der Mann, der die Tafeln hier zusammensetzt, soll es doch so machen, wie er will.« »Aber Andy, das hier ist dein Portrait.«
»Das spielt keine Rolle.«
Er verzog sich also in die Bibliothek und wir arbeiteten an dem Bild. Hinterher kam er natürlich rein, um das Ergebnis zu begutachten.
»Hmm, ich denke, das da sollte hier sein und dieses dort.«
Nachdem alles fertig war, sagte er: »Es spielt wirklich keine Rolle. So ist es einfach großartig. Aber ihr könnt es nach Belieben verändern.«
Was mir am meisten daran gefiel war, daß das Portrait einen in seiner ganzen Lebendigkeit zeigte und nicht eins von diesen zuckersüßen Abziehbildern war, die ich verabscheue und von denen ich nie eines als mein Portrait haben möchte.

Aus dem Katalog der Hamburger Kunsthalle: Andy Warhol - Photography, S.88ff, 1999

Erstveröffentlichung in Emile de Antonio und Mitch Tuchman: Printers Painting. A Candid History of Modern Art Scene 1940-1970, New York: Abbeville Press 1984, S. 123f. Aus dem Englischen von Werner Peterich.

 

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