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Künstlerinnen der Avantgarde (I)
in Hamburg 1890 bis 1933

21. Mai bis 20. August 2006

Kunst in Hamburg

 

Kunst wird von Männern gemacht – so das lange Zeit gängige Vorurteil. Auch zu Zeiten der Avantgarde hatten es Frauen schwer, mit ihren künstlerischen Werken im Kunstbetrieb und in den Museen ernst genommen zu werden und sich durchzusetzen. Hamburg und die Hamburger Kunsthalle bildeten da keine Ausnahme. Dass die neuere Kunstgeschichte Hamburgs jedoch entscheidend von Frauen mitgeprägt wurde, soll in zwei einander folgenden Ausstellungen erstmals umfassend gezeigt werden. Zu sehen sind Werke von Künstlerinnen, die seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Zeit des Nationalsozialismus mit ihrer Kunst eigenständige Positionen bezogen haben, oftmals entgegen gesellschaftlichen Konventionen.

Die aus gutbürgerlichem Hause stammenden Schwestern Helene Cramer (1844-1916) und Molly Cramer (1852-1936) konnten erst nach dem Tod ihres Vaters ab 1882 eine künstlerische Ausbildung absolvieren und nahmen, den Künstlern des Hamburgischen Künstlerclubs von 1897 nahe stehend, an zahlreichen wichtigen Ausstellung nicht nur in Hamburg teil. Ihr malerisches Werk konzentrierte sich im Wesentlichen auf das (Blumen-)Stilleben.

Mary Warburg (1866-1934), Tochter von Senator Heinrich Hertz, erhielt ebenfalls eine künstlerische Ausbildung, bevor sie den bedeutenden Kulturwissenschaftler Aby Warburg heiratete. Mit ihm lebte sie bis 1902 in Florenz, wo u. a. eine Reihe atmosphärisch ausgeprägter Landschaftspastelle entstand. Später war sie auch bildhauerisch tätig.

Elena Luksch-Makowsky (1878-1967) kam 1907 mit ihrem Mann, dem Bildhauer Richard Luksch, von Wien nach Hamburg. Sie hatte ihre Ausbildung bei Ilja Repin in ihrer Heimatstadt St. Petersburg absolviert und sich in Wien im Umkreis der Sezession einen Namen gemacht. Das Hauptwerk ihrer Hamburger Zeit ist die große Plastik „Frauenschicksal“, die sie 1911 für den Stadtpark schuf.

Gretchen Wohlwill (1878-1962) hatte ihre künstlerischen Wurzeln im Impressionismus, entwickelte später in ihren Landschaften entscheidend den Hamburgischen Sezessionsstil mit. 1940 emigrierte sie als Jüdin nach Portugal und kehrte 1952 in ihre Heimatstadt zurück.

Alma del Banco (1862-1943) war 1919 Gründungsmitglied der Hamburgischen Sezession. Ihre Malerei orientierte sich zunächst an französischen Vorbildern, bevor sie ihren eigenständigen Stil fand. Nach Erhalt des Deportationsbescheids wählte die Jüdin den Freitod.

Die jüdische Malerin Anita Rée (1885-1933) gehörte zu den bekanntesten Mitgliedern der Hamburgischen Sezession. Mit ihren einfühlsamen Portraits und radikalen Selbstdarstellungen nahm sie eine wichtige Position innerhalb der Kunst der 1920er Jahre in Hamburg ein. Von den politischen Ereignissen in Deutschland gezeichnet, nahm sie sich das Leben.

Wegen des umfangreichen Materials gliedert sich das Projekt in zwei aufeinander folgende Teile, die jeweils mit einer Publikation begleitet werden. Der Einzelband ist für 19,90 Euro, beide Bände zum Subskriptionspreis von 29,90 € im Museumsshop erhältlich.

Kurator der Ausstellung: Dr. Ulrich Luckhardt

Mit freundlicher Unterstützung von
Unternehmerinnen des VdU Verband deutscher Unternehmerinnen,
der Käte Ahlmann-Stiftung,
JC Decaux,
Hamburger Sparkasse,
Jever
und unseres Medienpartners BRIGITTE.


Helene Cramer (1844-1916)
Helene Cramer (1844-1916)
Geranien
© Privatbesitz
Photo: Elke Walford

Molly Cramer
Molly Cramer (1852-1936)
Goldlack und Primeln (auch Atelierfenster), 1899
© Kaiser Wilhelm Museum Krefeld
Photo: © Kaiser Wilhelm Museum Krefeld

MaryWarburg
Mary Warburg
Dame mit Hut auf Rasen, 1899
Photo: Christoph Irrgagng

Elena Luksch-Makowsky
Elena Luksch-Makowsky
Frauenschicksal, 1911

Gretchen Wohwill
Gretchen Wohlwill (1878-1962)
Häuser am Hang, 1920er Jahre

Alma del Banco
Alma del Banco
Rote und gelbe Segel (Segelschiffe in Cuxhafen), 1922
© Sammlung Hamburger Sparkasse

Anita Ree
Anita Rée (1885-1933)
Selbstbildnis, 1930
Photo: Elke Walford

Hamburger Kunsthalle Glockengießerwall 20095 Hamburg
Telefon 040 - 428 131 200 Telefax 040 - 428 54 34 09
E -Mail: info@hamburger-kunsthalle.de
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