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gegenwärtig: körpernah
Pia Stadtbäumer - Max Mohr - Piotr Nathan
11. Mai bis 24. August
Galerie der Gegenwart | 1. Etage


 


 

Pia Stadtbäumer

Max und Clara heißen die Figuren einer Werkgruppe, die Pia Stadtbäumer 1998/99 für eine Präsentation im Sprengel Museum Hannover erfand. Die Prototypen modellierte sie nach photographischen Vorlagen in Ton und nahm von diesen Modellen Negativformen aus Gips ab. In Teilformen mit Wachs oder Zellan (ein gipsähnlicher Kunststoff) ausgegossen wurden sie wieder zur Gesamtfigur zusammengesetzt, aufwendig retuschiert und bemalt. Pia Stadtbäumer wählte die Modelle zwar aus ihrem Bekanntenkreis, neutralisierte das Vertraute in den Gesichtern aber über den Umweg des mehrfachen Abformens nach photographischen Vorlagen.

Max und Claras kindlicher Nacktheit sind Requisiten und Kleidungsstücke hinzugefügt, die als aggressive und erotische Signale gelesen werden können und die so gar nicht zu ihrer „Unschuld“ passen wollen. Eine surreal anmutende Kombination von nicht eindeutig zu entschlüsselnden Zeichen lässt so Geschichten – vielleicht auch Erinnerungen – anklingen, die sich verselbständigen und im Kopf des Betrachters dessen eigene Projektionen werden.

„Der Annahme, dass dem Betrachter hier ein harmloses kindliches Verkleidungsspiel dargeboten wird, bei dem der Kleiderschrank und der Schminkkoffer der Eltern geplündert werden, widersprechen die Figuren bereits durch die wiederholte Präsenz der immer gleichen Gesichter. Dadurch lässt Pia Stadtbäumer den Eindruck, hier als Zeuge einer nachgestellten anekdotischen Spielszene beizuwohnen, gar nicht erst entstehen. Von den identischen Kindern geht eine befremdliche Wirkung aus, die den Betrachter zugleich ängstigt, weil er sich ihre Identität nur als Existenz von Klonen erklären kann.“ (Dietmar Elger)

Pia Stadtbäumer wurde 1959 in Münster geboren; sie studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und lehrt seit 1999 als Professorin an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg; Einzelausstellungen u.a. im Kunstforum Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, am Centre d’ Art Contemporain in Genf, im Sprengel Museum Hannover, im Kunstmuseum Bonn und am Kunstverein Ulm.

Kurator der Ausstellung: Dr. Christoph Heinrich






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