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gegenwärtig: körpernah
Pia Stadtbäumer - Max Mohr - Piotr Nathan
11. Mai bis 24. August
Galerie der Gegenwart | 1. Etage


 


 

Piotr Nathan

Es geht zur Sache - doch nichts ist zu sehen. Nachdem inzwischen Nachmittags-Talkshows und Lifestyle Magazine umfassend und geradezu volksaufklärerisch über das ganze Spektrum menschlicher Sexualpraktiken berichten, gehören Lederszene und SM-Praktiken zum festen Repertoire der Mediengesellschaft.

Piotr Nathan setzt sich in seiner künstlerischen Arbeit mit Fragen der Identität und Sexualität auseinander; er versorgt uns jedoch nicht mit noch mehr Details, sondern er verschlüsselt und verschleiert. Für die Präsentation gegenwärtig: körpernah entwarf er eine großformatige Wandinstallation, die in einer neu entwickelten Technik zeichnerische Elemente mit reliefhafter Struktur verbindet. Aus Hunderten von Einzelzeichnungen, die Nathan nach Photographien aus kommerziell erhältlichen erotischen Magazinen zeichnete, dann vergrößerte, übereinander kopierte und in PVC-Hartschaumplatten eingravierte, entstand ein All-Over – eine Körper-Landschaft.

„Die an gekachelte Wände erinnernde Grundstruktur nimmt das auf dem Quadrat basierende Architekturprinzip des Gebäudes auf. Die Technik des Übereinanderlegens gezeichneter Bildfragmente, die mit Sexualität, Begierde, mit modernen sexuellen Riten und erotischen Auslösern zu tun haben, verschmelzen einerseits zu einem nicht sofort dechiffrierbaren Graffiti und andererseits bilden sie ein Palimpsest von vorgefertigten Wünschen. Dem regelmäßigen Raster wird eine als ‚schmutzig’ konnotierte Unordnung eingeschrieben. Auf der Bildebene ist es eine Unordnung, die männliches Rollenverhalten völlig entsichert, indem es Machogehabe, Posen, Männlichkeitsidole und Gesten der Unterwerfung frei fließen lässt.“ (Frank Wagner)

Piotr Nathan, 1956 in Danzig/Gdansk geboren, studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Seine künstlerische Arbeit bewegt sich in ganz unterschiedlichen Medien: Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie und Rauminstallation. Körperlichkeit und Identität sind seine zentralen Themen. Den Hamburgern ist er nicht zuletzt durch seine große Wandzeichnung Der Verfluchte Garten im seitlichen Treppenhaus zwischen dem Altbau und dem ersten Erweiterungsbau der Hamburger Kunsthalle bekannt. Einzelausstellungen u.a. in der Whitechapel Art Gallery, London, und im Haus der Kunst, München.

Kurator der Ausstellung: Dr. Christoph Heinrich

 


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