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William Hogarth
Dirne, Wüstling und eine moderne Ehe
bis 17. November 2002, verlängert bis 26.01.03
Hegewisch - Kabinett




Gezeigt werden Szenen aus dem modernen Leben - so, wie sie
William Hogarth (1697-1764) festhielt: seinen Zeitgenossen zur Mahnung und uns zur erbaulichen Unterhaltung und vielleicht nach wie vor noch aktuell. Die Übel der Großstadt, die Gefahren der Eitelkeit und des Hochmuts, die Verlockungen des leichten Lebens und der Wollust (sowie weiterer, nicht aus der Mode gekommener Laster) haben nur wenige so bissig festzuhalten gewusst wie der Londoner Maler und Graphiker.

Zu Beginn der dreißiger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts entwickelte William Hogarth die Bilderfolgen, die seinen Ruf begründen sollten: Mit seinen "Modern Moral Subjects" behandelte er Themen und Überlegungen, wie sie in dieser Zeit auch in Literatur und Theater angesprochen wurden. Seine Bilderbögen sind realistische Darstellungen aus dem Leben der kleinen und mittelgroßen Leute, deren Alltag bis dahin in der Kunst nicht behandelt worden war. Hogarths Neugier für das Volk und dessen Sitten machen die Blätter zu einer historischen Fundgrube, und in seinem kritischen Blick auf den Adel spiegelt sich die Sichtweise der Aufklärung wider. Die Menschen genau studierend, versuchte Hogarth in seinen Blättern die Dichte des Lebens wiederzugeben. Mit der starken Konzentration an Informationen und der Vielzahl von zum Teil kleinsten Details versuchte Hogarth so nah wie möglich am Leben zu sein.

Szenen aus dem ausschweifenden Leben waren ein beliebtes Thema in Literatur und Illustration, und so konnte Hogarth schon bei seiner ersten berühmten Serie A Harlot´s Progress (Lebenslauf einer Dirne) mit einem gewissen Erfolg rechnen. Mehr als zwölfhundert Abzüge wurden von dieser Serie bestellt, zahlreiche Nach- und Raubdrucke erschienen, und jeden Tag kamen Neugierige, um sich die gleichzeitig entstandenen Gemälde anzuschauen. Man bewunderte die detailgenaue Beschreibung der Londoner Straßen mit ihren typischen Szenen, die so nah an der Wirklichkeit waren. Wenig überrascht, dass Hogarth es sich mit Adel und Kirche verscherzte, so dass der begabte
Porträtist aus dieser Richtung keine Aufträge zu erwarten hatte: Es wäre undenkbar gewesen, sich vom "Maler der Dirne" darstellen zu lassen.

So entwickelte er weitere Folgen, in denen er die Rituale der führenden Gesellschaft geradezu mit Hohn und Spott übergoss. In Marriage à la mode ironisierte er die Leichtfertigkeit und Unredlichkeit, die sich hinter einem "ehrenhaften" Ruf verbergen. Und gerade in dieser Serie machte er sich besonders lustig über die zeitgenössische Schwärmerei für modische Produkte aus aller Welt. Die reichen Salons sind überreich dekoriert mit chinesischen Vasen, mythologischen Nippsachen, Gemälden und Mobiliar, die dem offiziellen Geschmack der Zeit entsprechen.

Die Ausstellung zeigt die vier berühmtesten Kupferstichfolgen:
A Harlot´s Progress (Lebenslauf einer Dirne), A Rake's Progress (Lebenslauf eines Wüstlings), Marriage à la mode (Eine Hochzeit nach dem Geschmack der Zeit) und die Vier Tageszeiten. Die ausführlichen Kommentare helfen, die Blätter in ihren vielen Einzelheiten zu verstehen und machen sie zu einer vergnüglichen Lektüre: eine virtuos vorgetragene Seifenoper aus dem 18. Jahrhundert.

Ausstellung und Saalzettel:
Fanny Gonella und Christoph Heinrich

William Hogarth - A Harlots Progress

William Hogarth - A Rakes Progress

 

 

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