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„Himmel auf Zeit“. Kunst der 20er Jahre in Hamburg

28. März bis 27. Juni 2010
Hamburger Gang

Im Rahmen des Festivals Kulturfrühling „Himmel auf Zeit“ – die 20er Jahre in Hamburg zeigt die Hamburger Kunsthalle die Vielfalt, die sich in der Kunstszene der Hansestadt nach dem Ende des Ersten Weltkrieges entfaltet hat. In dem Zeitraum zwischen der Begründung der Weimarer Republik und der Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur prägten vier Strömungen die avantgardistische Kunstszene Hamburgs: zum einen Ausdrucksweisen, die sich an der französischen Malerei orientierten, zum anderen expressionistische Äußerungen und, diese ablösend, der Magische Realismus, sowie ab der zweiten Hälfte der 20er Jahre abstrahierende, sich vom Gegenstand lösende Bildformen.

Hamburger Künstler wie Friedrich Ahlers-Hestermann, Alma del Banco, Gretchen Wohlwill sowie die heute etwas weniger bekannten Maler Fritz Friedrichs und Walther Tanck ließen sich – nachdem sie die handwerkliche Basis zuhause erlernt hatten – in Paris von der französischen Malerei anregen. Inspirierend wirkte auf sie vor allem Paul Cézannes Pinselstrich, der die Motive zerlegt und die Perspektive verwebt, aber auch Renoir, Matisse und die Errungenschaften der Kubisten fanden Eingang in ihr Werk. Die „kultivierte Ausgeglichenheit“ (Gustav Pauli) ihrer Arbeiten sorgte für eine breite Anerkennung der Künstler von 1919 bis zur Verfemung durch die Nationalsozialisten.

Nur wenige Jahre hingegen währte der expressionistische Aufbruch der hiesigen Avantgarde. Er war eine Reaktion auf das Trauma des Ersten Weltkrieges und äußerte sich im Werk des Ehepaars Emil Maetzel und Dorothea Maetzel-Johannsen, in den Bildern des Raumkünstlers und Malers Otto Fischer-Trachau, den Arbeiten des Malers und Bildhauers Heinrich Steinhagen sowie in den zahlreichen Holzschnitten der hamburgischen Avantgarde, die in expressionistischen Zeitschriften wie „DIE ROTE ERDE“ erschienen. Durch Förderer und Sammler wie Gustav Schiefler und Rosa Schapire war besonders die Kunst der Dresdner „Brücke“ den Hamburgern präsent und beeinflusste ihr Schaffen.

Eigentümlich verlief die Entwicklung neusachlicher Tendenzen, denn anders als in anderen Großstädten, in denen sich diese Ausdrucksform in den Jahren bis etwa 1925/26 ausbildete, fehlte es in Hamburg an einer charismatischen Persönlichkeit, die die Bewegung hätte anführen und in eine bestimmte Richtung lenken können. Anita Rée, Heinrich Stegemann, Otto Rodewald oder der aus Altona stammende Edgar Ende, schufen ihr Werk unabhängig voneinander und trotzdem weisen ihre Arbeiten alle in die Richtung des Magischen Realismus – einer apolitischen, symbolisch aufgeladenen, häufig von irrationalen Elementen geprägten Variante der Neuen Sachlichkeit.

Auch die in die Abstrakte gehenden Künstler Hamburgs arbeiteten nur zum Teil zusammen. Künstler wie Richard Haizmann, Alfred Ehrhardt und Willi Nass entdeckten eigenständige Wege, sich vom Gegenstand zu lösen, indem sie spirituelle und philosophische Anregungen nutzten und sich von Musik inspirieren ließen. In sehr engem Austausch hingegen entwickelten einige Künstler der „Hamburgischen Sezession“ ihren sogenannten „Sezessionsstil“. Das aufgrund der Weltwirtschaftskrise den Künstlern zur Verfügung gestellte Atelierhaus, in dem sie gemeinsam arbeiteten, zeigte hier eine positive Nebenwirkung.

Die Ausstellung präsentiert Gemälde und Skulpturen, die auch die Beziehung zur Architektur dieser Zeit verdeutlichen, sowie Arbeiten auf Papier.

Statt eines Kataloges zur Ausstellung erscheint eine Festival-Publikation, die – wie das Festival selbst – einen gattungsübergreifenden Ansatz verfolgt und so die präsentierten Kunstwerke im Zusammenhang mit anderen kulturellen Hamburger Äußerungen der Zeit erlebbar macht. Das Buch und die Ausstellung rücken auch Künstler in den Fokus der Aufmerksamkeit, die heute nur noch wenig bekannt sind, die in den 20er Jahren jedoch zu den überregional anerkannten Größen Hamburgs zählten.

Kuratoren der Ausstellung: Dr. Ulrich Luckhardt und Friederike Weimar M. A.


Mit freundlicher Unterstützung durch

Hamburger FeuerkasseHaspa

In Kooperation mit

Kulturfrühling „Himmel auf Zeit“ – die 20er Jahre in Hamburg

Das Festival „Himmel auf Zeit“ wird von Ende März bis Juni 2010 die vielschichtige Hamburger Kultur der zwanziger Jahre vorstellen. Die Vernetzung verschiedener Kulturgattungen steht dabei im Vordergrund: 30 Kooperationspartner werden rund 80 Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Tanzdarbietungen, Konzerte, Ausstellungen, Vorträge, Führungen, Lesungen, Ton- und Filmvorführungen anbieten. Die Publikation „Himmel auf Zeit – die Kultur der 1920er Jahre in Hamburg“ ist im Wachholtz Verlag erschienen und für 28 Euro im Museumsshop erhältlich.

himmelaufzeit

www.himmelaufzeit.de
Kontakt: Verena von Bieberstein

 

Erich Hartmann (1886 - 1974)

Erich Hartmann (1886 - 1974)
Mädchen am Tisch, um 1921
© Erich Hartmann-Erben

Heinrich Steinhagen (1880-1948)

Heinrich Steinhagen (1880-1948)
Schmerz, 1918

Heinrich Steinhagen (1880-1948)

Heinrich Stegemann (1888-1945)
Die Ehefrau des Künstlers, Ingeborg Stegemann (geb. Krause), 1925
© Heinrich Stegemann-Erben

Heinrich Steinhagen (1880-1948)

Anita Rée (1885-1933)
Teresina, 1925


Alle Aufnahmen: © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk
Photos: Elke Walford