|
Biographie Vilhelm Hammershøi
1864
Hammershøi wird am 15. Mai als zweiter Sohn einer bürgerlichen
Kaufmannsfamilie in Kopenhagen geboren.
1872-1878
Erhält ab seinem achten Lebensjahr privaten Zeichenunterricht.
1879
Beginnt im Oktober sein Studium an der Kopenhagener Kunstakademie.
1883
Besucht parallel zur Akademie Kurse an De frie Studieskoler (Die Freien
Studienschulen). Vorbild für die Schulen sind die Pariser Ateliers
des französischen Salonmalers Léon Bonnat, wo zahlreiche
skandinavische Künstler ausgebildet wurden. Hammershøi
malt seine ersten Gemälde: Landschaften und Portraits.
1885
Nach Abschluss seines Studiums gibt er in der Charlottenborger Frühjahrsausstellung
der Kunstakademie sein Debüt mit Portrait eines jungen Mädchens.
Weil er dafür nicht den erhofften Neuhaus-Preis erhält,
protestieren einige Künstler öffentlich. Besucht Berlin
und Dresden mit dem Akademiefreund und Maler Rasmus Christiansen.
1889
Besucht im Juni/Juli die Pariser Weltausstellung, da er dort mit vier
Werken in der dänischen Abteilung vertreten ist.
1890
Auch sein Gemälde Schlafzimmer wird von der Ausstellung der Kunstakademie
abgelehnt, worauf der Künstler Johan Rohde Den Frie Udstilling
(Die Freie Ausstellung) organisiert, in der auch Hammershøis
Werke präsentiert sind. Im Juni Verlobung mit Ida Ilsted (1869-1949).
Einer der wichtigsten französischen Kunstkritiker und Sammler,
Théodore Duret, besucht Kopenhagen und zeigt sich begeistert
über Vilhelm Hammershøis Arbeiten.
1891
Am 5. September heiraten Hammershøi und Ida in Kopenhagen.
Am selben Tag noch beginnen sie ihre Flitterwochen mit einer Reise
nach Paris über Holland und Belgien. Hammershøi besucht
Duret, der ihn an den Kunsthändler Durand-Ruel empfiehlt. Durand-Ruel
läßt das Portrait von Ida Ilsted – nachdem es neben
sechs weiteren Bildern in der Münchner Jahresausstellung gezeigt
wurde – nach Paris kommen und stellt es in seiner Galerie aus.
1893
Hammershøi erhält ein Reisestipendium über 600 Kronen
von der Akademie und reist mit Ida von September bis Dezember nach
Italien. Sie reisen über München, Verona, Venedig, Bologna
nach Florenz mit Ausflügen nach Fiesole und Siena. Der Heimweg
führt sie über Padua, Verona, München und vielleicht
auch Berlin. Im Winter malt Hammershøi Artemis.
1897
Umzug in das neu gebaute ?huset in ?boulevarden, Kopenhagen. Im August
besucht der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, Kopenhagen
und interessiert sich für Hammershøi. Sergej Diaghilev,
Gründer des Ballets Russes, besucht ebenfalls im August Kopenhagen,
um eine Ausstellung skandinavischer Kunst in St. Petersburg vorzubereiten.
Er kauft zwei Gemälde von Hammershøi.
Von Oktober bis Mai 1898 reist Hammershøi mit seiner Frau nach
London.
1898
Hammershøi versucht vergeblich James McNeill Whistler zu treffen,
der sich zu dieser Zeit in Frankreich aufhält. Heimkehr nach
Kopenhagen im Mai. Dort am 15. September Umzug in eine Wohnung in
der ersten Etage der Strandgade 30 im Stadtteil Christianshavn. Die
Wohnung gewinnt eine große Bedeutung für Hammershøis
Werk: Die meisten seiner Interieurdarstellungen entstehen dort.
1900
Erste Einzelausstellung in der Kopenhagener Kunstforeningen. Emil
Nolde, der damals ebenfalls in Kopenhagen lebt, besucht Hammershøi.
Teilnahme an der Weltausstellung in Paris mit zehn Gemälden und
einer Zeichnung und an der Großen Berliner Kunst-Ausstellung,
in der 15 seiner Gemälde gezeigt werden.
1902
Das Gemälde Fünf Portraits wird in Den frie Udstilling gezeigt
und ist heftig umstritten. Vom Oktober bis Februar 1903 Reise nach
Rom. Teilnahme an der Nordischen Kunstausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum
in Krefeld.
1903
Rückreise über Neapel mit Besuchen in Paestum und Salerno.
Fünf Portraits wird auf der Biennale in Venedig ausgestellt.
1904
Das Portrait Ida Ilstedt wird auf der Internationalen Kunstausstellung
im Städtischen Kunstpalast Düsseldorf neben einer Landschaft
Hammershøis ausgestellt. Nach einem Besuch dieser Ausstellung
beginnt sich Rilke für das Werk von Hammershøi zu interessieren.
Er fährt deshalb nach Kopenhagen, um dort Anfang Dezember den
Maler zu treffen, über den er einen Essay schreiben will. Ein
Vorhaben, dass Rilke nicht verwirklicht. Fünf Portraits wird
in der Neunten Kunstausstellung der Berliner Secession gezeigt.
1905
Hammershøi erhält am 5. September Besuch von dem Berliner
Kunsthändler Paul Cassirer, der sowohl von Hammershøi
direkt, als auch über die Kopenhagener Kunsthändler Winkel
& Magnussen mehrere Bilder kauft. Winkel & Magnussen veröffentlichen
ein Album mit Reproduktionen nach zehn Gemälden Hammershøis.
Einzelausstellung in der Galerie Eduard Schulte in Berlin, die wegen
ihres Erfolgs im Anschluss auch in der Kölner Niederlassung der
Galerie gezeigt wird. Als Stiftung von Sir Alfred Beit, London, erwirbt
die Berliner Nationalgalerie von Schulte das Interieur Sonnige Stube.
Hammershøi besucht von November bis Januar 1906 London, wo
er zwei Ansichten des Britischen Museums malt.
1906
Rückkehr aus London und Einzelausstellung in der Galerie Paul
Cassirer in Hamburg am Jungfernstieg. Der Kunsthändler erwirbt
für sich privat Hammershøis Gemälde Der Hof. Teilnahme
an der II. Ausstellung von Paul Cassirer in Berlin mit drei Gemälden.
1907
Ab 29. September Besuch in Italien; der Hinweg führt das Ehepaar
über Berlin, München und Verona nach Florenz. Einzelausstellung
in der Van Wisselingh Gallery und Teilnahme an der Guildhall Exhibition
in London.
1908
In der Galerie Eduard Schulte in Berlin werden Hammershøis
Werke zusammen mit Arbeiten deutscher und französischer Künstler
gezeigt.
1909
Weil der Hausbesitzer wechselt, muss das Ehepaar aus der Strandgade
30 ausziehen. Umzug in die Kvæsthusgade 6. Der Maler wird zum
Mitglied der Generalversammlung der Akademie ernannt. Teilnahme an
der X. Internationalen Kunstausstellung im Glaspalast in München.
1910
Umzug ins Mittelgebäude der Bredgade 25. Hammershøi wird
Ratsmitglied der Kunstakademie.
1911
Hammershøi wird in Rom bei der Esposizione Internazionale di
Roma – Mostra di belle arti der erste Preis verliehen; er zeigt
dort 13 Gemälde.
1912
Einladung der Uffizien in Florenz, ein Bild für deren Sammlung
von Selbstportraits zu malen. Besuche in London im Juni und dann später
von November bis Januar 1913. Werke von Hammershøi werden auf
der Scandinavian exhibition in New York, Buffalo, Toledo, Chicago
und Boston gezeigt.
1913
Nach der Rückkehr aus London zieht Hammershøi in den ersten
Stock der Asiatischen Handelsgesellschaft in der Strandgade 25. Er
hatte das Haus bereits mehrere Male zuvor gemalt– es liegt schräg
gegenüber seiner alten Wohnung in Strandgade 30. Während
eines Besuchs in London im April mietet Hammershøi eine Wohnung
in der Guilford Street.
1914
Die Mutter, Frederikke Hammershøi, stirbt am 11. Juni im Alter
von 76 Jahren. Hammershøi selbst erkrankt an Rachenkrebs.
1915
Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich. Er malt nur noch ein
Bild, nämlich ein letztes Interieur, das Ida bei der Handarbeit
zeigt.
1916
Am 13. Februar stirbt Hammershøi im Kopenhagener Stadtkrankenhaus.
Fünf Tage später findet die Trauerfeier in der Frederiksberg-Kirche
statt, begraben wird er in Vastre Kirkegård. Gedenkausstellung
in der Kopenhagener Kunstvereinigung von April bis Mai.
|