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Francisco de Goya
Tauromaquia oder Die Kunst des Stierkampfs
13. Juli bis 26. Oktober 2003

Galerie der Gegenwart | Hegewisch-Kabinett


Kurz nach Goyas Kriegsdarstellungen, den Desastres, welche die Kunsthalle vor einigen Wochen in der Ausstellung Krieg zeigte, entstand der letzte der großen Radierzyklen: Tauromaquia, eine Folge über die Kunst des Stierkampfs. „Die Serie vermittelt eine Vorstellung von den Anfängen, dem Fortschritt und dem jetzigen Zustand dieser Feste in Spanien. Diese Vorstellung manifestiert sich ohne weitere Erklärung, allein durch den bloßen Anblick,“ so warb der Künstler selbst in einer Tageszeitung für seine Graphikfolge.

Goya leitet den Stierkampf aus den tollkühnen Jagden urzeitlicher Jäger her und verfolgt den Weg dieses volkstümlichen Vergnügens über die Höfe der Mauren und mittelalterlichen Ritter bis in aktuelle Figuren und Ereignisse aus der Arena seiner Gegenwart: Ein fulminanter Bilderbogen, der vom Leben und Sterben der Kreatur handelt. Er erzählt von der artistischen Überlegenheit des Einzelnen gegenüber den wütenden Kräften der Natur, aber auch – zumal unmittelbar nach dem Ende des napoleonischen Kriegs – von Goyas Stolz auf seine spanische Identität. Der Stier steht hier für den französischen Feind, während der Stierkämpfer das spanische Volk bzw. seine Anführer im Guerillakampf vertritt.

Die Tauromaquia ist vielleicht die artistischste Folge Goyas, ihre asymmetrischen Kompositionen schaffen den Raum für eine atemlose Spannung. Glanzvoll isoliert trifft hier der einzelne Mensch auf die machtvolle Kreatur. Das zuschauende Volk unterdessen wird ganz an den Rand gedrängt.

Das Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle ist in der glücklichen Lage, vier der insgesamt 50 erhaltenen, meist in Madrid verwahrten, eindrucksvollen Vorzeichnungen des Künstlers zur „Tauromaquia“ zu besitzen.

Ergänzt wird der aus 33 Blättern bestehende Stierkampfzyklus durch zwei große Lithographien, die Goya 1825 publizierte. In der neuen Technik des Steindrucks entwickelte der fast achtzigjährige Künstler noch einmal ein neues Bild von der volkstümlichen Kunst in Spanien, ein Bild der Erinnerung und Hoffnung. Hier wird der Stierkampf als ein stürmisch wogendes, burleskes Volksfest gefeiert, an dem sich jeder, über die Schranken von Klasse und Stand hinweg, beteiligen kann.

Kuratoren der Ausstellung:
Dr. Christoph Heinrich und Dr. Andreas Stolzenburg



Francisco de Goya - aus Tauromaquia, 1916


Francisco de Goya - aus Tauromaquia, 1916

Francisco de Goya - aus Tauromaquia, 1916