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Hasta...¡Goya!
Die spanischen Zeichnungen des Kupferstichkabinetts

14. Januar 2005 bis 10. April 2005

Saal der Meisterzeichnung



Das Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle beherbergt neben London, Paris und Florenz eine der bedeutendsten Sammlungen Spanischer Zeichnungen, die außerhalb ihres Ursprungslandes zu finden ist. Es war Alfred Lichtwark, der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, der 1891 die Sammlung des Mexikaners José Atanasio Echeverría, mit 122 Zeichnungen von dem Londoner Kunsthändler Bernard Quaritch erwarb.
Echeverría war um 1800 Hofmaler am mexikanischen Königshaus und zuletzt zweiter Direktor der Akademie der Künste in Mexiko-Stadt. Zu den wenigen erhaltenen Arbeiten dieses Künstlers und Sammlers gehören acht Blätter der Hamburger Kunsthalle, von denen vier hier erstmals ausgestellt sind. Quaritch hatte sie wohl vorher dem Kustos des Berliner Kupferstichkabinetts, Valerian von Loga, angeboten, ein Erwerb war aber nicht zustande gekommen. Lichtwark hatte die Blätter dort gesehen und legte mit den investierten £ 180.- den Grundstein dieser nunmehr fast 200 Arbeiten umfassenden, exzeptionellen Sammlung.

Der berühmteste Künstler dieses Konvoluts ist Francisco de Goya (1746-1828). In seine Anfangszeit am Hofe König Karls III. fällt die künstlerische Auseinandersetzung mit einem der größten, wenn nicht „dem“ größten spanischen Maler überhaupt: Diego de Velázquez (1599-1660). Goya schuf Ende der 1770er Jahre eine Folge von Zeichnungen nach Gemälden dieses „Malers der Maler“ („Le peintre des peintres“, so Edouard Manet 1865 über Velázquez), um nach ihnen Radierungen auszuführen. Sechs der Zeichnungen dieser Folge sind zu sehen. In den Radierungen schulte sich Goya in einer noch jungen Technik, die in seinem späteren druckgraphischen Werk eine zentrale Rolle einnehmen sollte, der Aquatinta-Technik.
Von Goyas Interesse an modernster Technik ganz anderer Art zeugt seine Zeichnung vom Aufstieg einer der ersten Ballonfahrten mit einem Wasserstoffballon. Zwei besondere Schätze der Hamburger Sammlung sind sicherlich die beidseitig bezeichneten Blätter über Liebe, Galanterie und Kuppelei aus der Zeit unmittelbar vor seiner berühmten Radierfolge der Caprichos, die 1799 erschienen.

Der künstlerische Weg hin zu Goya beginnt mit Arbeiten der Künstler, die alle in mehr oder weniger direkter Abhängigkeit zu Italien stehen: Luis de Vargas (1502-1568) lebte und arbeitete fast dreißig Jahre lang in Italien, sein Porträt eines Jünglings sucht in Ausdruck und Sanftheit die Nähe Raffaels. Der in Florenz geborene und früh nach Spanien gelangte Vicente Carducho (um 1576-1638) zeichnet und denkt florentinisch. Dies ist klar zu erkennen an seiner „Studie eines sitzenden Jünglings“ und nachzulesen in den von ihm verfassten „Dialogos de la Pintura“ von 1633. Der Sevillaner Maler und Kunstschriftsteller Francisco Pacheco (1564-1644), zeigt sich mit einem selten in der spanischen Kunst dargestellten, der italienischen Kunst verpflichteten „Männlichen Akt“. Pachecos in der Tradition italienischer Kunsttherorie stehender „Arte de la Pintura“ von 1649 ist eines der wichtigsten Kunsttraktate in spanischer Sprache. Wie Velázquez war auch die wohl umfassendste Künstlerfigur Spaniens ein Schüler Pachecos: Alonso Cano (1601-1667). Hundert Jahre nach den italienischen Universalgenies Raffael, Leonardo oder Michelangelo vereinte er in Spanien die drei Künste Architektur, Skulptur und Malerei in seiner Person. Eine Ausnahmeerscheinung in der - nicht nur spanischen - Kunstgeschichte ist sicherlich Bartolomé Esteban Murillo (1617-1682). Er ist mit seiner Schule der zahlenmäßig am stärksten vertretene Künstler der Hamburger Sammlung. Seine Federzeichnungen überraschen vor allem durch ihre große Leichtigkeit und weisen nur sehr wenig von der nicht immer geschätzten Süßlichkeit seiner Gemälde auf. Die weit ausgeführten Kreide- oder Rötelzeichnungen stehen als deren Vorstudien in wesentlich engerer Beziehung zu seinen Gemälden, oder sie sind gar Nachzeichnungen im Sinne eines „Liber Veritas“. Neben Murillo sind es Vater und Sohn Francisco de Herrera (d. Ä., 1576-1656; d. J., 1622-1685) und Francisco de Zurbarán (1598-1664) in Sevilla, sein Schüler Antonio del Castillo y Saavedra (1616-1668) und wiederum dessen Schüler Juan de Valdés Leal (1622-1690) in Córdoba, die einen umfassenden Einblick in die andalusische Zeichenkunst des spanischen 17. Jahrhunderts zu geben vermögen.

Kuratoren der Ausstellung:
Jens Hoffmann-Samland M. A. und Dr. Andreas Stolzenburg


Juan de Valdés Leal


Juan Valdés Leal (1622-1690), Das Haupt Johannes des Täufers, um 1656, Schwarze Kreide, Inv. Nr. 38620

Francisco de Goya (1746-1828)

Francisco de Goya (1746-1828)
Mit dem Rücken zum Stier und der "Capa" (Tauromachia)
Zeichnung

Bartolomé Esteban Murillo

Bartolomé Esteban Murillo (1617-1682)
Mystische Vermählung der Hl. Katharina mit dem Christuskind
Zeichnung

Bartolomé Esteban Murillo

Bartolomé Esteban Murillo (1617-1682)
Mariae Himmelfahrt
Zeichnung

© Hamburger Kunsthalle / bpk;
Photos: Christoph Irrgang