| Die Stadt am Ende der Welt" Spielzeuge von Lyonel Feininger |
| Es ist nahezu unbekannt, daß Lyonel Feininger (1871-1956) auch
Spielzeuge entworfen und ausgeführt hat. Bereits 1914 beschäftigten
ihn Entwürfe für hölzerne Spielzeug-eisenbahnen, deren
industrielle Herstellung aber durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges
verhindert und später nicht wieder aufgenommen wurde. Als Meister
am Bauhaus in Weimar (und später in Dessau) beschäftigte er
sich in den Zwanziger Jahren erneut mit Objekten, die für das Spielen
mit Kindern gedacht waren. Da die drei eigenen Söhne zu diesem
Zeitpunkt schon zu alt waren, schuf er für die Kinder von Freunden
und Bauhaus-Kollegen aus Holz geschnitzte und gesägte Häuser
und Figuren, die er anschließend bemalte. In den fünfziger
Jahren - inzwischen lebte Feininger wieder in seiner Heimatstadt New
York - griff er die Beschäftigung mit dem Spielzeug erneut auf.
Jetzt entstand eine Vielzahl von altmodisch anmutenden Häusern,
grotesken Figuren, ein Stadttor, das dem von Ribnitz ähnelt, die
Kirche von Gelmeroda, die als Motiv schon mehr als vier Jahrzehnte das
künstlerische Werk Feiningers bestimmte, Brücken und historische
Segelschiffe. Dabei ließ Feininger die Figurentypen und Architekturen,
die sein malerisches und zeichnerisches Werk schon seit Beginn prägten,
zu greifbaren Objekten werden. Mit spielerischer Unbefangenheit schuf
er so ein eigenständiges plastisches Werk, das sich jedoch nahtlos
in das Gesamtwerk einfügen läßt.
Als "Die Stadt am Ende der Welt", entlehnt einem Titel,
den Feininger 1911 einer Zeichnung gegeben hatte, haben zwei seiner
Söhne dieses bis dahin völlig unbekannte Werk Feiningers
Mitte der sechziger Jahre in einem heute vergriffenen und gesuchten
Buch erstmals publiziert. Andreas Feininger, selbst weltberühmter
Fotograf, und T. Lux Feininger, wie sein Vater Maler, haben in Bild
und Text diesen Teil von Feiningers künstlerischem Werk zugänglich
gemacht. |
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