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Lyonel Feininger
Die Zeichnungen und Aquarelle
23. Januar bis 5. April 1998

Lyonel Feininger zählt zu den populärsten und beliebtesten Künstlern in Deutschland der klassischen Moderne. Sein Werk wurde durch Reproduktionen in Kalendern, Postkarten und Kunstdrucken in großen Auflagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit dem Namen des Malers verbinden sich in der kunstinteressierten Öffentlichkeit wie selbstverständlich Motive von Segelschiffen, die über die Ostsee zu gleiten scheinen, dramatischen Wolkenformationen über dem Wasser, und die geheimnisvollen Architekturen der Dörfer rund um Weimar, mit ihren Kirchen und verwinkelten Häusern, denen Feininger in seinen Gemälden mit spitzen Formen und der Durchdringung der sich scheinbar transparent überlagernden Farbflächen eine einmalige Form gegeben hat.

Daß es neben dem malerischen Werk des Bauhaus-Meisters auch ein umfangreiches zeichnerisches Oeuvre gibt, ist nicht unbekannt. Häufig schon wurden seine Arbeiten auf dem Papier in Ausstellungen gezeigt. Nur orientierten sich diese Präsentationen an dem Klischee der Segelschiffs- und Architekturdarstellungen Feiningers. Der Blick auf das Gesamtwerk des Künstlers wurde weitgehend außer acht gelassen. Nur so konnte es geschehen, daß das figürliche Frühwerk des vormaligen Karikaturisten und auch das 1937 nach der Rückkehr in die Heimatstadt New York entstandene Spätwerk, der Auseinandersetzung mit den Wolkenkratzern der amerikanischen Metropole, bis heute in umfassenden Ausstellungen des zeichnerischen Werkes unbeachtet blieben.

Die Ausstellung, die jetzt von der Hamburger Kunsthalle vorbereitet wird, will zum ersten Mal überhaupt die Zeichnungen und Aquarelle von Lyonel Feininger in ihrer ganzen Breite und Bedeutung in bezug auf das Gesamtwerk des Künstlers zeigen. Anhand von ca. 150 Blättern, Zeichnungen und farbigen Aquarellen, wird ein Überblick über alle Schaffensphasen des Künstlers gezeigt. Überraschend für die, die sich bislang vom Klischee des Segelschiff- und Architekturmalers Feininger haben leiten lassen, wird die Entdeckung des zeichnerischen Frühwerkes sein. Es zeigt eine Welt von Komik, von Mummenschanz und Clownerie, und auch von Tragik, die ihre Vorlagen in den großen Romanen des 19. Jahrhunderts in Frankreich hat, der Welt von Victor Hugo und Honore Balzac. Aber auch das Spätwerk des über 80jährigen Künstlers, der sich nach seiner Abkehr von Deutschland - seine Frau Julia war Jüdin - mit einer vollkommen neuen Umwelt auseinandersetzen mußte, wird erstmals seiner Bedeutung gerecht im Zusammenhang des gesamten zeichnerischen Werkes gezeigt.

Diese Ausstellung, die von der Hamburger Kunsthalle konzipiert und organisiert wird, und als zweite Station in der Kunsthalle Tübingen zu sehen ist, umfaßt Arbeiten Feiningers aus den Jahren 1898 bis 1955, die aus bedeutenden Museen der ganzen Welt und aus vielen internationalen Privatsammlungen stammen. Als kleine Sensation ist dabei das Engagement der Familie Feininger zu werten, die erstmals überhaupt Einblick in die eigenen Sammlungen gewährten, und daraus großzügig Leihgaben zur Verfügung stellen. Dies ist auch Ergebnis einer langjährigen Freundschaft zwischen der Familie des Künstlers und des international anerkannten Feininger-Experten und Kustos an der Hamburger Kunsthalle, Dr. Ulrich Luckhardt, der diese Ausstellung initiiert und konzipiert hat.

Parallel präsentiert die Hamburger Kunsthalle erstmalig "Die Stadt am Ende der Welt" (Spielzeuge von Lyonel Feininger).

Zur Ausstellung wird ein umfangreicher Katalog erscheinen, der alle ausgestellten Werke farbig abbildet und kommentiert.

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