Alte Meister

Die Sammlung Alte Meister zeichnet sich durch ihre außerordentlich große historische Spannweite vom frĂŒhen 15. Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhunderts aus. Einen Schwerpunkt bildet dabei die norddeutsche mittelalterliche Malerei mit den AltĂ€ren Bertram von Mindens und Meister Franckes. Werke von Lucas Cranach d. Ä., Hans Holbein d. Ä., Paris Bordone sowie Jan Massys zeigen den Facettenreichtum der europĂ€ischen Renaissance. Die Malerei des italienischen Barocks ist mit wichtigen Einzelwerken von Canaletto, Bernardo Bellotto und Giovanni Battista Tiepolo vertreten. PortrĂ€ts von Jean-Laurent Mosnier und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein sowie bedeutende GemĂ€lde von François Boucher, Jean-HonorĂ© Fragonard, Johann Heinrich FĂŒssli und Goya sind im Bereich des 18. Jahrhunderts hervorzuheben. Der Hauptakzent des Sammlungsbereiches liegt auf dem niederlĂ€ndischen Goldenen Zeitalter des 17. Jahrhunderts mit herausragenden Beispielen von Rembrandt, Abraham Bloemaert, Pieter de Hooch, Anthonis van Dyck und Gerard van Honthorst.

Hamburger Privatsammler wie Georg Ernst Harzen oder Johannes Amsinck legten bereits 1863 und 1879 mit den VermĂ€chtnissen ihrer Sammlungen vorwiegend niederlĂ€ndischer Malerei den Grundstock fĂŒr die Sammlung Alte Meister. Alfred Lichtwark, der erste Kunsthallendirektor, prĂ€gte ab 1886 maßgeblich den GemĂ€ldebestand: 1888 konnten nicht nur eine Reihe von GemĂ€lden aus der Sammlung Hudtwalcker-Wesselhoeft sowie Bilder Hamburger KĂŒnstler fĂŒr die Kunsthalle angekauft werden. Mit dem Thomas-Altar fĂŒr die hamburgischen Englandfahrer von Meister Francke (1898) und dem ehemaligen Hochaltar der Hamburger Petrikirche von Bertram von Minden (1903) erwarb Lichtwark zwei Hauptwerke, deren Stellenwert er kommentierte: »Die Grundlage unserer GemĂ€ldesammlung bildet von nun an das Werk des alten Hamburger Meisters Francke« und »Seit im Herbst 1900 der berĂŒhmte Grabower Altar [
] als ehemaliger Hauptaltar von St. Petri in Hamburg erkannt worden war, hat die Kunsthalle es fĂŒr die dringlichste Aufgabe erachtet, den Spuren seines Urhebers, [
] des bekannten Meisters Bertram, nachzugehen und seine Werke fĂŒr die Vaterstadt zurĂŒck zu gewinnen«

Weitere AnkĂ€ufe aus der Sammlung des Konsuls Eduard Friedrich Weber sowie aus dem VermĂ€chtnis Siegfried Wedells’ prĂ€gten die Folgejahre und festigten die Bedeutung der Sammlung Alte Meister. Lichtwarks Nachfolger Gustav Pauli bemĂŒhte sich zwischen 1923 und 1929 vor allem um einen Ausbau der bis dahin stark vernachlĂ€ssigten italienischen Malerei. WĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus gelangte ĂŒber den auslĂ€ndischen Kunsthandel eine grĂ¶ĂŸere Zahl von niederlĂ€ndischen GemĂ€lden in die Kunsthalle, jedoch wurden die meisten Bilder nach Kriegsende wieder zurĂŒckgegeben. Es war das Verdienst von Alfred Hentzen, dass in den 1950er Jahren herausragende GemĂ€lde der Sammlung Wedells als Dauerleihgabe der Freien und Hansestadt Hamburg fĂŒr die Kunsthalle gesichert werden konnten. Bis heute erfĂ€hrt die Sammlung Alte Meister durch VermĂ€chtnisse, Schenkungen und gezielte AnkĂ€ufe, mit denen LĂŒcken im Bestand geschlossen und die StĂ€rken der Sammlung weiter ausgebaut werden sollen, einen kontinuierlichen Zuwachs.

Der anlĂ€sslich der Modernisierung der Hamburger Kunsthalle 2016 neu gestaltete chronologische Rundgang offenbart die ganze Vielfalt der Sammlung Alte Meister. Auch wenn die bekannten Schwerpunkte des Sammlungsbestandes weiterhin sichtbar bleiben, werden die bedeutenden Hauptwerke nun in neuen Konstellationen und spannungsreichen GegenĂŒberstellungen prĂ€sentiert, die wechselseitige, lĂ€nderĂŒbergreifende EinflĂŒsse deutlich machen. Neu konzipierte ThemenrĂ€ume ermöglichen eine Entdeckungsreise durch vier Jahrhunderte.