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| Ingo Günther geb.
1957 in Bad Eilsen Spiegel einer Welt So wie die USA von den staatsrechtlichen und philosophischen Idealen Europas, dessen Theorien sich auf amerikanischem Boden unbelastet einer gewichtigen Geschichte in relativer Unbedingtheit für die ganze Welt zu Modellen entwickeln konnten, entscheidend befruchtet wurde, so sehr profitiert Europa auch heute noch von der amerikanischen Perspektive als einer plausiblen Spiegelung, die einen relativ glaubwürdigen Ausblick in die eigene Gegenwart und Zukunft auf fast allen Gebieten erlaubt. In diesem Sinne benötigt nun Amerika und die Welt selbst eine neue Flüchtlingsrepublik, die eine Chance bietet, diese Rolle zu übernehmen, denn die saturierten Immigrationsstaaten sind immer weniger in der Lage, das globale Spektrum zu repräsentieren. Die Flüchtlingsrepublik wird mithin zum Spiegel einer Welt, die in einigen Teilen noch prä- und in anderen schon postpolitisch ist, in einer Zeit, die ihren ideologischen Überbau des Modernen und ihre Visionen zugunsten einer noch schlecht definierten Disposition des relativen Positionierens verloren hat, einer Welt, in der divergente Trends der Globalisierung gleichsam eine Retribalisierung (Ethnifizierung/Regionalisierung) bedingen. Wie Joseph Nye beobachtet hat, ist die Welt keineswegs zu einem Dorf verschmolzen, sondern besteht nun vielmehr aus immer dichter zusammenrückenden Dörfern, die ihre schützende Distanz zueinander verloren haben: Geographische Isolation hat sich im Informationsnebel verflüchtigt. Aus vielen Einfamilienhäusern droht eine gigantische Mietskaserne zu werden. |